„Das könnte ich nicht, was Du da machst“. Diesen Satz hört Uschi Weber wohl des Öfteren.

Aber was macht sie eigentlich ?

Durch 10 Jahre ehrenamtliche Sterbebegleitung in Krankenhäusern und Seniorenheimen hat sie eine etwas andere Sicht des Todes. Er ist mit einer Art „Faszination“ verbunden, lässt einen selbst bewusster leben und die Angst vor dem eigenen Tod wird etwas genommen.

Dieses Wissen hat sie nunmehr seit 7 Jahren auf Hunde übertragen.

Da sie und ihr Mann immer 2 Hunde hatten, zu diesem Zeitpunkt einen Wolfshund und einen Mix, kam irgendwann der Gedanke, dass doch Platz für einen älteren Pflegehund wäre.
Und so kam eine alte Schäferhündin zu ihnen. Sie durfte sie 1,5 Jahre begleiten.
Der 2. Pflegehund war ein Pudel, für den Uschi sogar 3,5 Stunden Auto fuhr, um ihn „ungesehen“, einzupacken und mitzunehmen.

So entwickelte sich per Mundpropaganda über die Jahre hinweg ein großes Netz von Kontakten, mit dem Wissen, dass Problemfälle, vor allem alte Hunde im Endstadium, zu Uschi kommen dürfen.

All dies ist mit finanziellen Kosten verbunden. Die Tiere kommen aus den verschiedensten Tierheimen und Uschi bekommt Medikamente, Steuer und Versicherung bezahlt. Futter und die Einäscherung für die inzwischen zur Regel gewordenen 5 und 7 Hunden trägt Uschi.

Inzwischen bekommt sie sogar schon „Rabatt“ bei den Einäscherungen, da der Mann ihre Arbeit bewundert. In diesem Jahr waren es bis dato 7 Einäscherungen, was aber auch ungewöhnlich viel ist.

Die Hunde bleiben zwischen 1 Woche und 4 Jahren . Dies schaffte nur Tara, eine wundervolle Schäferhundmixdame.

Aber eigentlich ist es egal wie lange ein Hund da ist, denn manchmal geht das Herz schon über, wenn der Hund nur den Raum betritt, und bei Anderen ist es ein ruhiges Begleiten bis zum Ende.

„Alte Hunde sind faszinierend“.
Jeder hat seinen eigenen Charakter ,manche würden auch Dickkopf oder Altersstarrsinn sagen, und sind kaum zu verbiegen in ihren Eigenarten.
Jeder hat seine ganz besondere Geschichte, die in diesen Fällen leider nicht in ihren Familien zu Ende geht, und eine Art Charisma.
Darüber hinaus verfügen sie leider auch über Körperfunktionen, bei denen der PVC Boden ein Geschenk ist,viel Tücher und Reinigungsmittel gebraucht wird und die Liebe und Geduld zu diesen besonderen Tieren unentbehrlich ist.
Und davon steht Uschi anscheinend grenzenlos viel zur Verfügung.
Sogar ihr Mann steht hinter ihr und unterstützt sie, was nicht selbstverständlich ist.
Ständige „WG-Mitglieder, mit verschiedenen Störfaktoren und Eigenarten“ zu ertragen ist nicht immer einfach, aber immer eine wertvolle Erfahrung.

Uschi arbeitet mit den Tierheimleitern und deren Ärzten, sowie mit Tierheilpraktikern und mir als Tierphysiotherapeutin zusammen, damit die Wehwehchen der Senioren so gut wie es geht schmerzfrei gehalten werden können.

Auch wenn es die Momente gibt, in denen Uschi vermeintlich keine Kraft mehr für diese Aufgabe hat ..... wenn das nächste „Notfell“ klopft, ist sie bereit.

Manche Tiere gehen ihr besonders nah.
Wie jetzt Gina:

Sie durfte nur knapp 3 Wochen bei ihr sein, als das Nierenversagen zuschlug. Aber sie war so ein netter Hund, der gerettet wurde, als der Besitzer sie entsorgen wollte. Leider für nur zu kurze Zeit. So durfte sie wenigstens umsorgt sterben.

Wenn ein Hund „geht“ hat Uschi ihre ganz bestimmten Rituale, die immer sein müssen.

Es gibt Blumen( Rosenblätter), eine Kerze,
ein Bild in der Galerie,

eine Einäscherung und dann die Ausstreuung unter dem „ Andenkenbaum“, wo ein Engel und ein Licht alle Tiere beschützt. Der Baum wächst und gedeiht von Jahr zu Jahr.

Es gibt aber auch die glücklichen Momente, in denen Uschi „hoffnungslose „ Fälle noch vermitteln kann, nachdem sie bei ihr aufgeblüht sind, oder weil sie im Internet erschienen, so wie z. B. ein kleiner Senior, der innerhalb von 3 Tagen vermittelt war.
Das Schöne ist, dass die meisten Besitzer noch mit ihr telefonieren, Bilder oder kleine Berichte schicken. All das macht Mut für's Weitermachen.

Zum aktuellen Rudel gehören 3 eigene und 2 Pflegehunde, die ich hier mal vorstellen möchte.

Die Eigenen sind :

GUSTEL

Sie ist 5 Jahre alt , kam „per Zufall“ als Welpe zu ihr, als sie als Findelkind beim Tierarzt saß.
Sie ist von Beruf „Krankenschwester“, d.h sie ist bei jedem Tierarztbesuch bei den Hunden dabei , um ihnen die Angst zu nehmen. Ansonsten ist sie ein kleiner Clown, der um seine Wirkung auf Menschen weiß.

HERMANN

Er kam vor 4 Jahren im Alter von 10 Jahren in Pflege, durfte aber nach einem halben Jahr ohne Vermittlungsnachfrage bleiben. Er hat einen operierten und einen unoperierten Kreuzbandriss und hat so manches Alterszipperlein.

SALLY

Ein trauriger so Fall.
Sie kam von Spanien, wurde vermittelt, dann wurde ihr Frauchen krank und sie kam ins Tierheim. Dort verlor sie, trotz aller liebevoller Bemühungen der Pfleger, jegliches Vertrauen in Menschen, fing an zu beißen, wurde scheuer und scheuer, schrie vor Panik bei Berührung,verwahrloste zusehends und verweigerte irgendwann sogar das Futter.
So ging das ein halbes Jahr und so traute sich auch Niemand sie aufzunehmen.
Uschi hatte gerade „Kapazitäten“ und sucht nach einem hoffnungslosen Oldie, den sie mitnehmen könnte.
Als sie jedoch das kleine, verfilzte, panisch-traurige und dürre „Etwas“ im Zwinger sitzen sah, nahm sie die erst 6 Jahre alte Sally, nachdem sie in Narkose geschoren war, mit.
Nach einer Woche ließ sie sich etwas kraulen und taute auf.
Aber bis heute sind normalerweise selbverständliche Dinge wie Anleinen, Anfassen von oben, bürsten, ins Auto gehen,... immer noch schwierig und tagesformabhängig bei der Kleinen.
Nachdem sie zugenommen hatte und zutraulicher geworden war, wurde sie ins Internet gesetzt.
Als aber dann ein Interessent für sie gefunden war, brachte es Uschi doch nicht übers Herz, sie mitzugeben.
Sie darf bleiben und diese kleine Seele merkte das, denn sie wird immer lustiger und vertrauter, seit sie wohl gemerkt hat, dass sie bleiben darf.

Wie schlau, oder? !

Die aktuellen Pflegehunde sind :

BALDUIN

Der „Schlottermaxe“ ist 14 Jahre alt und Uschis „Hofhund“, den er liebt es draußen zu sein, egal wie kalt es ist und obwohl er dann zittern muss. Als Frischluftfanatiker besteht er auf seinem Ausgang und ich hab' ihn erst beim 4. oder 5. Besuch gesehen, da er immer „unterwegs“ war.

HARRY

Kam nun frisch dazu. Er saß von seinen ca. 12 Jahren 10 in einem italienischen Tierheim.
Er ist ein wenig tatterig, aber durchaus lernfähig, denn nachdem er ein paar Tage mitten auf dem kühlen Boden einschlief, hat er festgestellt, dass in einem Raum ein Korb vor einer Heizung steht und das doch viel angenehmer zum Ausruhen ist.
Er ist sogar stubenrein, wenn die Tür nach draußen offen ist und wird an einem Stück Restleine geführt, da er durch eine Sehbehinderung etwas schreckhaft bei Berührung reagiert.
Für beide Seiten eine tolle Lösung.



Hier nun Uschi,die Managerin des Ganzen.

Hier mit Sally und Harry.

Und wie geht’s weiter?



Heute ist Gina gegangen, die Asche eines vor kurzem gestorbenen Collimixrüden kam zurück und es gibt schon wieder 2 Anfragen nach Aufnahme im Rudel.

Da heißt es tief durchatmen, Ärmel hochkrempeln und bereit sein, einer neuen armen Seele mit Liebe und Geduld, trotz Alter oder Handicap, den Weg in ein neues Zuhause, oder wenn die Zeit gekommen ist, über die Regenbogenbrücke zu begleiten.